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Es ist Luxus, sagen zu können: „Ich bin keine Feministin“

Laut Bericht der Journalistengewerkschaft der Türkei werden sechs von zehn Journalistinnen während ihrer Berufsausübung diskriminiert. Obwohl feministischer Journalismus immer stärker wird, verdienen 55 Prozent der Journalistinnen weniger als ihre männlichen Kollegen. Çiçek Tahaoğlu, eine der bekanntesten feministischen Journalistinnen des Landes, sammelte 2011-2018 Daten zu Männergewalt in einem Dossier. Sibel Schick sprach mit ihr. Sibel Schick: Frau Çiçek Tahaoğlu, woran macht man feministischen Journalismus fest? Çiçek Tahaoğlu: Meine Journalismuskarriere begann in bianet, einem Haus, in dem man den Friedens- und Bürgerjournalismus fördert und mit einem menschenrechtsbasierten Ansatz, nicht-profitorientiert arbeitet. Journalismus, der sich auf Geschlechtergerechtigkeit konzentriert, ist ein Teil dieses menschenrechtlichen Ansatzes. Als Feministin habe ich mich erst bezeichnet, nachdem ich das Gewaltdossier des bianet übernommen habe. Während ich dort anfing, die Männergewalt zu dokumentieren, habe ich gemerkt, wie das Thema uns alle etwas angeht, und dass es Luxus ist, sagen zu können: «Ich bin keine Feministin». Wenn man «feministische Journalistin» hört, denkt man gleich an eine feministische Aktivistin … In der Türkei werden Medien immer weiter zum Monopol, Menschen vertrauen nur noch dem Netz und etablierte Journalist*innen bekommen ihre …

Fall Khashoggi: Die rote Pille

Die genauen Details des Mords an dem regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi sind bisher unklar. Die CIA ist jedoch überzeugt, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den Mord im saudischen Konsulat in Istanbul angeordnet habe. Die Regierung in Riad weist die Vorwürfe zurück und fordert die Todesstrafe für die fünf mutmaßlichen Täter. Das macht Sinn, denn Gewalt mit Gewalt zu lösen hat ja bisher ganz gut funktioniert. Nach der Einreisesperre gegen 18 saudische Staatsangehörige hat vergangenen Montag die Bundeskanzlerin Merkel angekündigt, dass die Bundesregierung keine weiteren Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien genehmigen würde. Der Lieferstopp ist aber nur für zwei Monate gültig und unverbindlich. Das Ganze hätte man sich also sparen können. Der türkische Präsident Erdoğan ist empört. Der Fall sei eine Verletzung der türkischen Souveränität und er würde alles in seiner Macht tun, dass der Fall geklärt wird. Donald Trump ist jedoch alles egal. Am 1. November sagte er, er fühle sich von Saudi-Arabien nicht hintergangen. „Sie haben mich nicht betrogen. Vielleicht haben sie sich selbst betrogen“, so Trump, als handle es sich um einen Jugendroman. …

Ihr unterstützt meine Arbeit – vielen Dank!

Ihr Lieben, wie ihr wisst habe ich vor Kurzem über GoFundMe eine Kampagne gestartet, um meine politische Arbeit mit eurer Unterstützung finanzieren zu können. Das Ziel von 1.000 Euro habe ich dank eurer großzügigen Spenden innerhalb 24 Stunden erreicht! Danke an allen, die gespendet und geteilt haben! Da ich ganz viel Wert auf Transparenz lege, möchte ich auflisten und nachvollziehbar machen, wie viel Geld zusammen kam, und was ich gekauft und wie viel ich für welche Produkte ausgegeben habe. Ihr habt gespendet: 1110 Euro netto über gofundme (1160 Euro brutto) 345 Euro über PayPal 250 Euro per Banküberweisung (das war meine Mutter 🙂 ) Total: 1705 Euro Gestern habe ich mir endlich meinen neuen Computer abholen können. Von den Spenden habe ich mir gekauft: Apple MacBook Pro 13,3″ Retina 2017 i5 2,3/8/256 GB in Silber: 1539,00 Euro Cyberport Apple Extraschutz 36 Monate ohne Diebstahlschutz: 139,00 Euro Hülle: 36,99 Euro Microsoft Office Abonnement: 84 Euro/Jahr (wird monatlich vom Bankkonto abgebucht, 7€/Monat) geschäftliche E-Mailadresse über G-Suite: 48 Euro/Jahr Verlängerung der Domain sibelschick.net 26 Euro/Jahr Total: 1872,99 Euro …

Drei Plakate, drei Forderungen

Drei feministische Forderungen anhand von drei Plakaten der Istanbuler «Nachtdemonstration» am 8. März. Aufgrund der turbulenten Zeiten ist die Türkei derzeit ein heißes Thema in den deutschen Medien. Während Repression und Gewalt zunehmen, richtet sich das Augenmerk vermehrt auf die sozialen Bewegungen, insbesondere auf die feministische Bewegung. Die eindrucksvollen Bilder der «feministischen Nachtdemonstration» vom 8. März 2018 in Istanbul haben viele gesehen. Der inzwischen zur Tradition gewordene Marsch fand dieses Jahr zum 16. Mal statt. Frauen und LGBTQIA aus allen Fraktionen kamen zusammen, verzichteten auf die Embleme ihrer jeweiligen Organisationen und bastelten stattdessen gemeinsam neue Demonstrationsplakate. Drei dieser Plakate haben wir ausgewählt, um die dahinter stehenden Forderungen zu erläutern. «Vibratoren statt Diktatoren» Obwohl die sexuelle Freiheit der Frau eines der wichtigsten Themen der feministischen Bewegung der Türkei ist, stößt dieses Thema auch innerhalb der Bewegung auf Grenzen. Grund dafür ist, dass Sexualität bzw. der Umgang mit Sexualität nach wie vor sehr tabuisiert wird. Plakate, Poster, Kampagnen und Slogans zu diesem Thema sind deshalb noch Seltenheiten, sie lösen heftige Diskussionen aus und provozieren insbesondere heterosexuelle cis-Männer. …

Neue Feinde

Was bedeuten die Wahlergebnisse der Türkeiwahl für die Zivilgesellschaft und den feministischen Journalismus? Ein Gespräch mit einer Journalistin und zwei LGBTTQIA-Aktivist*innen. Am 24. Juni fanden in der Türkei zum ersten Mal die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen zeitgleich statt: Mit 42,56 Prozent ist die AKP stärkste Partei im Parlament. Präsident Recep Tayyip Erdoğan erhielt in der ersten Runde zehn Millionen (52,59 Prozent) mehr Stimmen als sein stärkster Gegner, der CHP-Kandidat Muharrem Ince. Erdoğan darf jetzt per Dekret regieren. Ebenso wie andere regierungskritische zivilgesellschaftliche Gruppen stehen auch die LGBTTQIA-Bewegungen seit dem Putschversuch 2016 unter massivem Druck. Obwohl sich die LGBTTQIA-Aktivist*innen seit den 1990er Jahren für mehr Teilhabe und Sichtbarkeit einsetzen, sind sie seit den Gezi-Protesten viel sichtbarer. 2013 nahmen unterschiedlichen Quellen zufolge zwischen 50 und 100 Tausend Menschen an dem jährlichen Pride-Marsch teil. Seit 2015 wird der Pride-Marsch aufgrund scheinbarer Sicherheitsgründe oder aufgrund „gesellschaftlicher Sensibilitäten“ verboten – die Regierung nutzte die letzten zwei Jahre die Gelegenheit, dass der Termin der Demonstration den heiligen Monat Ramadan überschneidet. 2017 untersagte das Gouverneursamt Ankaras sogar alle Kulturveranstaltungen von LGBTTQIA-Organisationen und -gruppen …

Morde an trans Frauen sind politisch

Esra Ateş und Begüm: Zwei trans Frauen, die im Sommer 2018 von nur innerhalb einer Woche getötet wurden. Dank der Arbeit von zahlreichen LGBTQIA-Organisationen war der öffentliche Aufschrei groß. Ohne ihre Arbeit und die der feministischen Journalist*innen hätten diese Delikte möglicherweise keine öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenken können. Denn der türkische Staat und seine Institutionen erheben keine Daten zur Gewalt gegen trans Frauen. Bei Gewalttaten an trans Frauen registriert die türkische Polizei weder die trans Identität noch die Natur der Taten, wie zum Beispiel Gewalt an trans Sexarbeiterinnen, als identitätsspezifisch, was es erschwert, an zuverlässige Daten heranzukommen. Die Delikte an cis Frauen werden genauer dokumentiert, allerdings nicht vom Staat, sondern von feministischen Organisationen und Journalist*innen. Ein Online-Zähler dokumentiert Morde an cis Frauen und auf einem Dossier des regierungskritischen, unabhängigen Nachrichtenportals bianet dokumentiert die Journalistin Çiçek Tahaoğlu Frauenmorde und Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Eine  ausführliche Dokumentation der Gewalttaten an trans Frauen fehlt jedoch. Allerdings erhebt eine Organisation aus Deutschland Zahlen zu Morden an trans Personen in der Türkei: Laut einem Report von Transgender Europe, eine Organisation mit Sitz in …