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Jan Fleischhauer – er trollt doch… oder?

Nach „Nazis rein“ und mit Nazis feiern schreibt Jan Fleischhauer eine Kolumne in der aktuellen Spiegel-Ausgabe mit der Überschrift „Toxische Weiblichkeit“. Die Überschrift verspricht zu viel, denn die Kolumne hat keinen Inhalt.

Fleischhauer beschwert sich in seiner neuen Kolumne „Toxische Weiblichkeit“ darüber, dass künftig alle Pkw bei 180 Stundenkilometern automatisch abgedrosselt würden. Einem Artikel (keine Quellenangabe) habe Fleischhauer entnommen, dass die Funktion helfen soll, der Aggressivität unter männlichen Autofahrern zu begegnen.

Fleischhauer zeigt sich überrascht, dass „der Vorschlag gleich wieder in eine Verbindung zur Geschlechterfrage gebracht wird“ und fragt: „Was mit den Frauen, sind die nie aggressiv?“ Nach dieser Frage kommt nichts. Keine Zahlen zum aggressiven Verhalten von Frauen, keine Fälle von häuslicher Gewalt, deren Täter Frauen sind, nichts. Es ist schade, denn die Zahlen sind da, genauso wie die Fälle. Und wir reden zu wenig über die Gewalttätigkeit von Frauen, was die bestehende Geschlechterrollen untermauert. Fleischhauer hätte diese Debatte anstoßen können, er hätte jedenfalls die Plattform und die Reichweite dafür. Er muss sich aber die Recherche zu schade sein, denn stattdessen kotzt sich Fleischhauer über Frauen aus, die Autos fahren: Große Autos, kleine Autos, teure Autos; große Frauen, kleine Frauen, blonde Frauen, kleine Frauen mit großen Autos…

Laut dem statistischen Bundesamt verursachten Männer zwischen 1991 und 2017 drastisch mehr Autounfälle mit Personenschaden, d.h. mit Verletzten oder Toten, als Frauen. Die Zahlen sind klar und für alle, die sich dafür interessieren, eine Google-Suche entfernt.

 

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Abb 3 aus der Studie „Verkehrsunfälle – Unfälle von Frauen und Männern im Straßenverkehr“

Es ist also wissenschaftlich bewiesen, dass Männer im Straßenverkehr deutlich mehr Autounfälle bauen als Frauen, bei denen Personen getötet oder verletzt werden. Dazu kann man viel schreiben. Man kann männliche Fahrer dazu aufrufen, vorsichtiger und langsamer zu fahren, nicht aufs Handy zu starren, achtsamer zu sein, weil sie Menschenleben kosten. Man kann über die Ursachen nachdenken oder versuchen zu belegen, dass die Zahl nichts mit dem Geschlecht zu tun habe. Aber auch das macht Fleischhauer nicht. Was macht er? Er fragt nach, was denn mit Frauen sei. Genauso wie die Internettrolle, die mit einem „Rassismus gegen weiße“ oder „Männerfeindlichkeit“ um die Ecke kommen, wenn man über soziale Ungerechtigkeit redet. Mit dem kleinen aber sehr wichtigen Unterschied, dass die Kolumne von Fleischhauer in einem der auflagestärksten politischen Magazine Deutschlands gedruckt wird. Gegen Geld, und vermutlich eine Summe, von der viele nicht mal träumen können.

Einem der bekanntesten Journalisten Deutschlands fällt nichts Besseres ein als ein trotziges „Selber!“. Muss man sich darüber aufregen? Nein. Muss man seine Kolumne lesen? Auch nicht. Warum schreibe ich diesen Blogbeitrag überhaupt? Damit ihr die Kolumne nicht lesen müsst.

Bitte habt ein schönes Wochenende, und lest mehr Frauen und mehrfachmarginalisierte Personen!

Eure Sibel

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