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Ich lerne nie

paranoidme.com

Weißt du, welcher mein Lieblingssong von Guns N‘ Roses ist? Am liebsten mag ich Nighttrain aus Appetite For Destruction. Häufig wird er für einen Partysong gehalten, weil sein Tempo und sein Text zuerst den Eindruck machen, auch mit Absicht. Der Song ist stolz auf die vorgetäuschte wilde Stimmung: I’m on a nighttrain, I love that stuff. I’m on a nighttrain, and I can never get enough.

Am Ende aber weißt du, dass da mehr dahinter steckt. Spätestens wenn Slash das zweite Solo beginnt. Und Axl davon erzählt, dass er niemals lernt. Die Schmerzen, die mit Gasoline weggespült werden sollten, verraten sich, während der Nachtzug weiter fährt. Mit voller Geschwindigkeit, bereit, tödlich zu werden.

Ich mag den Song so gern, weil ich mich mit ihm identifizieren kann. Schnell, laut, glücklich. Immer bereit für eine Party, liebend gerne, immer wieder. Großes Lächeln. Frohnatur. Immer kurz davor, abzustürzen und in die Luft zu fliegen. Ja, auch ich lerne nie.

Gestern Abend hast du mir etwas gesendet, und mir wurde noch einmal klar, wie langsam ich lerne. Wie gern ich verdränge. Dass eigentlich schon immer klar war, dass du nicht in der Lage bist, mir zu geben was ich brauche und was ich will. Nur ich wollte es einfach nicht sehen.

Erinnerst du dich an die Mixtapes? Ich bin mir nicht sicher, ob du die Phase miterlebt hast. Früher, bevor es CDs, das MP3-Format oder die Streamingdienste gab, hat mensch sich Mixtapes aus den Lieblingssongs gemacht, und die auf Kassetten aufgenommen. Inzwischen kennen wir das nur noch vom Fernsehen.

Für eine Mix solltest du eine Kassette am besten nur einmal verwenden, weil sonst die Qualität ruiniert wurde. Wenn das geschah, hattest du manchmal zwei Spuren Musik auf einander, schon gruselig. Während die neue Spur lauter im Vordergrund lief, konntest du die alte noch hören, sie lief leise im Hintergrund. Wie ein Gespenst aus der Vergangenheit, das dich nicht loslässt.

Du bist wie diese alte Spur, und mein Alltag ist die Neue. Ich gehe raus, treffe Menschen, unterhalte mich. Schaue mir Filme und Serien an, arbeite, lese, singe, tanze, tue Sachen, wie mensch halt tut. Du bist wie ein Tonband, das nie aufhört sich zu drehen. Immer weiter. Immer im Hintergrund von allen, was ich mache. Dich werde ich nicht los.

Und auch das Bild.

Das Bild deiner Hand auf ihrem Rücken.

Die kalte Farbe ihres Kleids und die eckige Form ihres Rückenausschnittes.

Deine weiße Hand über dem blauen Dreieck.

Das Bild werde ich nicht los.

Ich glaube ich lerne einfach nie.

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von

Welcome to my blog! Here you will find some inputs of politics of Turkey, women in media and animal and women’s rights. The name is Sibel Schick and I was born on a wednesday on the hot southwest coast of Turkey as the only child of an arranged marriage. I left my home city 2009 due to the twofold discrimination I experienced as a kurdish woman. Currently I live in Cologne, Germany with my roommates and three cats. I spend most of my time at the TH Köln where I study Online-Redaktion and writing articles for various media. Besides I am keeping busy with the proactive platform erktolia.org which I co-founded, the turkish version of the international anti-sexist community macholand.org. I make and cherish music in my spare time and enjoy comedies.

2 Kommentare

  1. Malinka sagt

    Dieser Moment als du uns auf dem Berg während dieser tollen Atmosphäre, dieses erzählt hast, einfach So wahr! Ich bekomme immer noch Gänsehaut.

    Deine Gedanken und dein Wesen bereichern mich. Du bist großartig.

    In liebe,
    Malin

    Gefällt 1 Person

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