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Interview mit Chloe Fairweather und Sinead Kirwan: „Dying To Divorce“

Zum Gedenktag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen sprechen Regisseurin Chloe Fairweather und Produzentin Sinead Kirwan über Gewalt an Frauen in der Türkei und ihr Projekt „Dying To Divorce”.

Jährlich werden rund 300 Frauen in der Türkei von Männern ermordet. Die Gründe sind unterschiedlich. Manchmal kommt es zur Gewalt, weil Frauen sich scheiden lassen wollen. Oft sind die Gründe aber noch banaler: Sie treffen sich mit einer scheinbar falschen Freundin oder äußern den Wunsch, arbeiten gehen zu wollen.

Die Täter erhalten häufig geringe Strafen, die in keinem Verhältnis zu ihren Taten stehen. Das sagen Chloe Fairweather und Sinead Kirwan vom Fuller Project for International Reporting, ein Verband aus Reporterinnen und Filmemacherinnen aus aller Welt, die hauptsächlich über Frauenrechtsverletzungen berichten.

„Dying To Divorce“ ist ein durch Crowdfunding finanzierter Dokumentarfilm über Frauenmorde, über den Kampf der Frauen um ihre Leben und den Frauenverein „Wir werden Frauenmorde stoppen”, der sich für Gesetzesänderungen einsetzt und überlebende Frauen und Familien der Opfer berät.

Wie erfuhren Sie von dem Verein “Wir werden Frauenmorde stoppen”? Würden Sie uns von diesem Verein erzählen?

CF: Anfang 2015 als ich mit dem Fuller Project in Istanbul an einigen Kurzfilmen für die New York Times und das Elle-Magazin zusammen gearbeitet habe. Eins der Probleme, auf die wir gestoßen sind, war die hohe Anzahl der Frauenmorde und dadurch sind wir über den Verein „Wir werden Frauenmorde stoppen“ gestolpert. Hier konzentriert sich der landesweite Protest gegen Gewalt an Frauen. Die Mitglieder des Vereins setzen sich für Gesetzesänderungen ein, sie haben jeden Frauenmord im Blick und kämpfen, damit die Täter vor Gericht gebracht werden – das hat mich begeistert.

Gesetzesänderung als Anfang

Warum glauben Sie, dass dieses Thema nicht genug Beachtung im türkischen Parlament findet?

SK: Unsere Unterstützer würden sagen, dass die Behörden Frauenmorde verharmlosen. Wir versuchen, in unserem Film klar zu stellen, warum diese Frauen ermordet werden.

Was muss getan werden, um Frauenmorde in der Türkei zu stoppen?

SK: Eine Gesetzesänderung wäre ein guter Anfang. Vor allem müssen die Gesetze angewendet werden. Außerdem muss die Polizei dazu gebracht werden, die Frauen ernst zu nehmen, wenn sie nach Schutz vor häuslicher Gewalt suchen. Das wäre ein guter Anfang.

Würden Sie sagen, dass Gewalt an Frauen nur in der Türkei ein Problem ist? Wie ist die Lage in England?

CF: Häusliche Gewalt ist ein globales Problem. Sowohl in den Vereinigten Staaten, als auch in Großbritannien werden Frauen von ihren Lebenspartnern getötet, nicht selten aus denselben Gründen wie in der Türkei. Ich hoffe, dass unser Film dieser Gewalt entgegenwirken kann.

Was beabsichtigen Sie mit ihrem Film „Dying To Divorce“ zu erreichen?

CF: Ich interessiere mich sehr für persönliche Geschichten: Menschen in schwierigen Situationen und wie sie darauf reagieren und damit zurechtkommen. Unser Hauptziel: Menschen sollen sich durch die Interviews mit den Frauen identifizieren können. Indem sie mit ihnen mitfühlen, wird ihnen die Tragweite der Gewalt klar.

Dieses Interview wurde am 26.11.2015 vom dem Kölner Stadt-Anzeiger veröffentlicht.

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Welcome to my blog! Here you will find some inputs of politics of Turkey, women in media and animal and women’s rights. The name is Sibel Schick and I was born on a wednesday on the hot southwest coast of Turkey as the only child of an arranged marriage. I left my home city 2009 due to the twofold discrimination I experienced as a kurdish woman. Currently I live in Cologne, Germany with my roommates and three cats. I spend most of my time at the TH Köln where I study Online-Redaktion and writing articles for various media. Besides I am keeping busy with the proactive platform erktolia.org which I co-founded, the turkish version of the international anti-sexist community macholand.org. I make and cherish music in my spare time and enjoy comedies.

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